Ich bin dann mal weg!

Ein graues Sofa ist etwas, das es eigentlich gar nicht gibt – wie Bielefeld

Von staubgrau bis anthrazit. In Deutschlands Wohnzimmern herrscht das große Graue, und zwar immer im selben 90-Grad-Winkel. Gesessen wird auf einer Nichtfarbe zwischen Weiß und Schwarz.


Das Graue muss ins Eckige

Alle haben mittlerweile das gleiche reizlos dezente Sofa mit Rumliege-Winkel in ihrem Wohnzimmer stehen. Eigentlich wird heutzutage auch weniger gesessen als tiefenentspannt gelegen beim Serien-Konsumieren und WhatsApp-Parlieren. Die rechtwinklige Konstruktion, die Nachgiebigkeit eines handelsüblichen Ecksofas lässt es zu, dass mindestens zwei Menschen sich darauf abends ermattet lagern können, die Füße in Socken einander entgegengestreckt. Nach dem Motto: Das Leben da draußen ist hart, die Couch hier drinnen weich. So wird das graue Ecksofa zum Symbol des dauerangestrengten Menschen der Moderne, der sich permanent nach Entspannung sehnt, sich ausruhen muss und die Entschleunigung eben im Reizarmen sucht.

Der Deutsche, aus der Ferne betrachtet

Folgende Nachricht geisterte durch die Social-Media-Kanäle: Deutschland ist vom „U.S. News and World Report“ zum besten Land der Welt gewählt worden. Dieser etwas zweifelhafte Titel basierte auf einer Studie, in der 16.000 Menschen aus aller Welt über ihre Meinung zu bestimmten Ländern befragt wurden. Deutschland punktete besonders in Hinblick auf sein Unternehmertum und seine gut ausgebildeten Bürger. Da wären wir wieder: beim Klischee. Der Deutsche ist fleißig, pünktlich und unbestechlich, diszipliniert und im Urlaub schnell beleidigt, wenn etwas schiefläuft. Klingt ja nicht gerade nach einem Haufen waghalsiger Individualisten. Grau, die Farbe der Mutlosen?

Die Aufhebung der Zentralperspektive

Heute arrangiert sich jeder mit dem, was er so braucht zum Kommunizieren mit der Welt, in seiner Ecke. Auf dem Sofa wird die gesamte elektronische Gerätschaft geparkt, der Laptop, das Smartphone, das Tablet, die Spielkonsole, die Fernbedienung ... Keins dieser Objekte nötigt noch dazu, sie an einem fest definierten Platz zu nutzen – früher schienen Couch und Sessel so im Wohnzimmer aufgestellt zu sein, dass sie den besten freien Blick auf den Fernseher ermöglichten. Der hatte seinerseits den Kamin als familienzusammenführendes Wohnobjekt abgelöst. Mit dem Ecksofa scheint die Idee der Zentralperspektive, der monothematischen Wohnzimmer-Bespielung, sich nun wieder aufzulösen: Übrig bleibt das Sinnbild eines Floßes, auf dem jeder um sich herum verstreut und zusammenrafft, was ihm überlebenswichtig erscheint contra Langeweile und pro Entspannung für den Rest des Abends.

Sind wir nicht alle ein bisschen Bauhaus?

Oder hat die Vorliebe für dezente Töne ihre Gründe in unserer Geschichte?

„Bescheidenheit ist eine Zier“, beginnt das Sprichwort, und schließt dann mit den Worten: „doch besser lebt man ohne ihr.“ Also, mal nicht so demütig, schließlich hat eine der einflussreichsten Bewegungen der Moderne, das Bauhaus, unser aller ästhetisches Empfinden maßgeblich beeinflusst.

Und was kam vorher? Der Pietismus. Es wäre zwar vermessen zu behaupten, ganz Deutschland sei evangelisch-lustfeindlich geprägt, und doch: Spätestens seit der Zeit des Deutschen Reiches drang die Kunde von den preußischen Tugenden (unter ihnen Zurückhaltung, Bescheidenheit, Ordnungssinn und Sauberkeit) auch in den letzten Winkel des Landes.


Qualität, die lange hält

Soll ich es wirklich sagen? Ich sag’s einfach: Stichwort Wertarbeit. Auch die ist beim Kauf der Polstergarnitur für viele ausschlaggebend. Wir sind hier schließlich nicht in Italien, wo man Sonnenbrillen monatlich wechselt. Der Deutsche kauft sich lieber eine „vernünftige, zeitlose“ Brille und trägt sie, bis die Sonne nie mehr scheint. Ähnlich verhält es sich mit dem Sofa. Man will lange etwas von ihm haben, daher soll es möglichst hochwertig, kein Modeopfer und gut kombinierbar sein. Weiß? Viel zu empfindlich. Schwarz? Darauf sieht man jeden Krümel. Farbe? Geht schnell auf den Keks. Was bleibt, ist Grau. Aber andererseits: Wo kämen wir denn hin, wenn wir uns jeden Monat ein neues Sofa zulegen müssten!? Himmel, nein! Man gewöhnt sich ja schließlich auch an etwas und macht es sich zum Freund.

Grau wie die Deutschen?

Ist Grau also doch die Farbe der Mutlosen? Sind wir ein Volk der Grauen Herren und Damen (Momo lässt grüßen), die auf grauen Sofas zum Fernsehen Platz nehmen? Vielleicht.

Vielleicht aber regiert hier auch ein Prinzip, das die Franzosen als tranquillité bezeichnen. Man könnte es mit Ruhe und Beschaulichkeit übersetzen. Der graue Himmel mag etwas Tristes haben. Das graue Sofa dagegen lässt, in einem zurückhaltend eingerichteten Raum, Wellnessstimmung aufkommen. Es ist die bodengleiche Dusche des Wohnzimmers.


Ich bin dann mal weg

Ein graues Sofa ist auch etwas, das es eigentlich gar nicht gibt – wie Bielefeld. Es nimmt zwar mit seinen großen Polsterflächen, auf die man sich fläzen kann, Platz im Raum ein, ist jedoch gestalterisch so zurückgenommen, dass es kaum auffällt – was gut so ist, da wir den Raum heute am liebsten leer mögen. Und von da, wo wir liegen, schauen wir mit Vorliebe auf eine grüne Landschaft, in der Zivilisation, Alltag und Stress nicht vorkommen. In diesem Sinne schafft das graue Sofa gleichzeitig einen virtuellen und einen mönchisch-kontemplativen Ort.

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